Organic cotton fabric with cotton bolls and a certified organic cotton label, representing sustainable natural fibres and certified organic textiles.

Bio-Baumwolle erklärt: Vorteile, Grenzen und worauf du achten solltest


Executive Summary

Bio-Baumwolle zählt zu den bekanntesten nachhaltigen Textilmaterialien weltweit - und gleichzeitig zu den am häufigsten missverstandenen. Zwar verbietet der zertifizierte ökologische Baumwollanbau gentechnisch verändertes Saatgut und schränkt viele synthetische Betriebsmittel ein, doch der Begriff „Bio“ garantiert nicht automatisch einen geringeren CO₂-Ausstoß, einen niedrigeren Wasserverbrauch oder faire Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Lieferkette.

Bio-Baumwolle stammt von derselben Baumwollpflanze wie konventionelle Baumwolle. Der Unterschied liegt nicht in der Faser selbst, sondern im Anbausystem und den Zertifizierungen, die den ökologischen Anbau nachvollziehbar machen.

Anerkannte Bio-Standards fördern Maßnahmen wie Fruchtfolgen, den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und vorbeugenden Pflanzenschutz, während viele synthetische Düngemittel und Pestizide ausgeschlossen oder stark eingeschränkt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Bio-Baumwolle vollständig pestizidfrei ist. Je nach Standard dürfen bestimmte biologische, pflanzliche oder ausdrücklich zugelassene Mittel weiterhin eingesetzt werden.

Auch über den Anbau hinaus spielen Zertifizierungen eine entscheidende Rolle. Der Organic Content Standard (OCS) bestätigt vor allem den Anteil und die Rückverfolgbarkeit biologisch angebauter Fasern entlang der Lieferkette. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) geht deutlich weiter und stellt zusätzliche Anforderungen an die Textilverarbeitung, den Einsatz von Chemikalien, die Abwasserbehandlung sowie soziale Kriterien. Keine dieser Zertifizierungen belegt jedoch automatisch sämtliche Umwelt- oder Sozialaspekte eines fertigen Produkts.

Wie nachhaltig Bio-Baumwolle tatsächlich ist, hängt immer vom Gesamtkontext ab. Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen und andere Umweltauswirkungen werden unter anderem durch Klima, Niederschlag, Bewässerung, Bodenbeschaffenheit, Erträge und die spätere Verarbeitung beeinflusst. Deshalb sollte Bio-Baumwolle nicht pauschal als grundsätzlich umweltfreundlicher dargestellt werden.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher liefern anerkannte Zertifizierungen, transparente Angaben zur Materialzusammensetzung, nachvollziehbare Informationen zur Herstellung sowie eine hochwertige Verarbeitung die verlässlichsten Hinweise auf ein verantwortungsvoll produziertes Produkt.

Kurz erklärt

Was ist Bio-Baumwolle?

Bio-Baumwolle ist Baumwolle, die nach anerkannten ökologischen Anbaustandards angebaut und zertifiziert wird. Diese Standards verbieten gentechnisch verändertes Saatgut, schränken viele synthetische Betriebsmittel ein und fördern Anbaumethoden, die die Bodenfruchtbarkeit sowie eine langfristig nachhaltige Landwirtschaft unterstützen.

Ist Bio-Baumwolle nachhaltiger als konventionelle Baumwolle?

Bio-Baumwolle kann wichtige Umweltvorteile bieten, insbesondere weil auf viele synthetische Pestizide und Düngemittel verzichtet wird. Wie nachhaltig ein Produkt tatsächlich ist, hängt jedoch von der gesamten Lieferkette ab. Bio-Baumwolle verbraucht nicht automatisch weniger Wasser, verursacht nicht grundsätzlich weniger Treibhausgasemissionen und garantiert auch keine fairen Arbeitsbedingungen. Zertifizierungen wie GOTS liefern deshalb meist ein umfassenderes Bild als der Begriff „Bio“ allein.

Bio-Baumwolle auf einen Blick

Merkmal Evidenzbasierte Einordnung
Faserart Natürliche Zellulosefaser aus der Baumwollpflanze
Was bedeutet „Bio“? Zertifiziertes ökologisches Anbausystem und - je nach Standard - eine überprüfbare Lieferkette
Gentechnisch verändertes Saatgut Nach anerkannten Bio-Standards verboten
Synthetische Pestizide und Düngemittel Weitgehend verboten beziehungsweise stark eingeschränkt; Bio bedeutet jedoch nicht pestizidfrei
Wasserverbrauch Abhängig von Klima, Bewässerung und Anbaumethoden
Klimabilanz Abhängig von Erträgen, Düngung, Energieeinsatz und Verarbeitung
Färben und Veredeln Nicht automatisch durch den Bio-Anbau abgedeckt; GOTS stellt zusätzliche Anforderungen
Soziale Kriterien Werden durch den Bio-Anbau oder OCS allein nicht garantiert; GOTS berücksichtigt soziale Anforderungen in zertifizierten Verarbeitungsbetrieben
Biologische Abbaubarkeit Reine, unbehandelte Baumwolle ist biologisch abbaubar; Farbstoffe, Beschichtungen, Mischfasern und weitere Bestandteile können dies beeinflussen
Beste Orientierung beim Kauf Gültige GOTS- oder OCS-Zertifizierung, transparente Materialangaben und nachvollziehbare Produktinformationen
NWG Gesamtbewertung Eine empfehlenswerte Materialwahl, wenn Zertifizierung, Verarbeitung, Qualität und Langlebigkeit gemeinsam betrachtet werden
Typische Produkte T-Shirts, Hoodies, Unterwäsche, Bettwäsche und Handtücher

Warum Bio-Baumwolle wichtig ist

Baumwolle gehört zu den wichtigsten Naturfasern der Welt. Sie ist weich, atmungsaktiv, vielseitig einsetzbar und findet sich in unzähligen Produkten - von T-Shirts und Jeans bis hin zu Bettwäsche und Handtüchern. Die Auswirkungen eines Baumwollprodukts beginnen jedoch lange bevor ein Kleidungsstück im Geschäft landet.

Saatgut, Bodenbewirtschaftung, Pflanzenschutz, Bewässerung, Entkörnung, Spinnen, Färben, Veredeln, Konfektionierung, Nutzung und Entsorgung beeinflussen gemeinsam den ökologischen Fußabdruck eines Produkts.

Für alle, die nachhaltigere Kleidung kaufen oder Materialien miteinander vergleichen möchten, ist Bio-Baumwolle deshalb vor allem eines: eine überprüfbare Aussage über den landwirtschaftlichen Anbau - nicht automatisch über das gesamte fertige Produkt.

Bio-Baumwolle ist besonders relevant, weil sie bereits beim Anbau ansetzt. Zertifizierungen verbinden die Faser mit klar definierten landwirtschaftlichen Standards und einer unabhängigen Überprüfung. Dadurch werden Anbaumethoden gefördert, die auf Fruchtfolgen, den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und vorbeugenden Pflanzenschutz setzen, während viele synthetische Betriebsmittel ausgeschlossen oder eingeschränkt werden.

Gleichzeitig erzählt der Bio-Anbau nur einen Teil der Nachhaltigkeitsgeschichte. Eine zertifizierte Bio-Faser kann später mit synthetischen Materialien gemischt, außerhalb umfassender Textilstandards gefärbt oder veredelt oder zu einem Produkt verarbeitet werden, das nur kurze Zeit genutzt wird. Deshalb sollte die Nachhaltigkeit immer anhand des gesamten Produkts und seiner Lieferkette beurteilt werden.

NWG Perspektive

Bei NEW WORLD GUARDIANS sind wir überzeugt, dass Zertifizierungen dann ihren größten Wert entfalten, wenn sie konkrete und überprüfbare Aussagen ermöglichen - nicht, wenn sie als pauschaler Beweis für Nachhaltigkeit dienen. Bio-Baumwolle kann eine ausgezeichnete Materialwahl sein. Gleichzeitig sollte ein Zertifikat dazu anregen, genauer hinzusehen und Fragen zu Wasserverbrauch, Verarbeitung, Arbeitsbedingungen, Qualität und Langlebigkeit zu stellen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bio-Baumwolle beschreibt in erster Linie ein zertifiziertes Anbausystem.
  • Die Nachhaltigkeit eines Produkts wird durch die gesamte Lieferkette bestimmt.
  • Zertifizierungen schaffen Transparenz und erleichtern fundierte Kaufentscheidungen.
  • Verarbeitung, Qualität und Lebensdauer sind ebenso wichtig wie der Rohstoff selbst.
  • Eine ganzheitliche Betrachtung ist aussagekräftiger als einzelne Umweltversprechen.

Was ist Bio-Baumwolle?

Bio-Baumwolle ist Baumwolle, die auf landwirtschaftlichen Betrieben angebaut wird, die nach anerkannten ökologischen Standards zertifiziert sind. Die Faser selbst unterscheidet sich chemisch und strukturell nicht von konventioneller Baumwolle - beide bestehen aus pflanzlicher Zellulose. Der Unterschied liegt ausschließlich in der Art und Weise, wie die Baumwolle angebaut und kontrolliert wird.

Anerkannte Bio-Standards verfolgen das Ziel, die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu erhalten, natürliche Kreisläufe zu fördern und den Einsatz vieler synthetischer Betriebsmittel zu vermeiden. Typische Maßnahmen sind Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, vorbeugender Pflanzenschutz sowie der Verzicht auf gentechnisch verändertes Saatgut.

Die internationale Organisation IFOAM - Organics International beschreibt den ökologischen Landbau anhand der vier Grundprinzipien Gesundheit, Ökologie, Fairness und Sorgfalt. Diese Prinzipien bilden die Grundlage vieler Bio-Standards, ersetzen jedoch keine Zertifizierung. Erst anerkannte Zertifizierungsprogramme legen konkrete und überprüfbare Anforderungen für den Anbau fest.

Bedeutet Bio automatisch pestizidfrei?

Nein.

Das ist eines der häufigsten Missverständnisse rund um Bio-Baumwolle.

Ökologische Standards verbieten viele synthetische Pestizide, erlauben jedoch - je nach Standard - bestimmte biologische, pflanzliche oder ausdrücklich zugelassene Pflanzenschutzmittel. Im Mittelpunkt stehen vorbeugende Maßnahmen wie Fruchtfolgen, natürliche Schädlingsbekämpfung und ein gesundes Bodenmanagement.

Die treffendere Aussage lautet daher:

„Ohne verbotene synthetische Pestizide angebaut“ - nicht „ohne Pestizide angebaut“.

Ist jede Bio-Baumwolle unabhängig zertifiziert?

Nicht unbedingt.

Eine glaubwürdige Aussage über Bio-Baumwolle sollte immer durch eine anerkannte Zertifizierung belegt werden. Für den landwirtschaftlichen Anbau gelten entsprechende Bio-Standards. Soll auch das fertige Textil als Bio-Produkt ausgewiesen werden, sind zusätzlich geeignete Standards für die Lieferkette und Verarbeitung erforderlich - beispielsweise GOTS oder der Organic Content Standard (OCS).

Allgemeine Werbeaussagen wie „aus Bio-Baumwolle hergestellt“ sind deutlich weniger aussagekräftig, wenn weder ein konkreter Standard noch eine nachvollziehbare Zertifizierung genannt werden. Sie liefern Verbraucherinnen und Verbrauchern weniger verlässliche Informationen über das tatsächliche Produkt.

Wie wird Bio-Baumwolle angebaut und verarbeitet?

Der genaue Ablauf kann je nach Land, Anbauregion und Produkt variieren. Grundsätzlich durchläuft Bio-Baumwolle jedoch mehrere aufeinanderfolgende Schritte - vom Anbau bis zum fertigen Kleidungsstück.

1. Umstellung und Zertifizierung des landwirtschaftlichen Betriebs

Bevor Baumwolle als Bio-Baumwolle verkauft werden darf, muss der landwirtschaftliche Betrieb die Umstellungsphase des jeweiligen Bio-Standards erfolgreich abschließen.

Während dieser Zeit werden die Anbaumethoden an die Anforderungen des ökologischen Landbaus angepasst und regelmäßig von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle überprüft. Erst nach erfolgreicher Zertifizierung darf die Ernte als Bio-Baumwolle vermarktet werden.

2. Saatgut und Bodenfruchtbarkeit

Anerkannte Bio-Standards verbieten den Einsatz gentechnisch veränderten Saatguts.

Stattdessen setzen Landwirte auf zugelassenes Saatgut sowie Maßnahmen zur langfristigen Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Dazu gehören unter anderem:

  • Fruchtfolgen
  • Zwischenfrüchte
  • Kompost
  • organische Düngemittel
  • weitere nach dem jeweiligen Standard zugelassene Betriebsmittel

Welche Methoden eingesetzt werden, hängt immer von den klimatischen Bedingungen und den regionalen Gegebenheiten ab.

3. Unkraut-, Schädlings- und Krankheitsmanagement

Im ökologischen Baumwollanbau steht die Vorbeugung im Mittelpunkt.

Anstatt sich hauptsächlich auf chemische Pflanzenschutzmittel zu verlassen, setzen Bio-Betriebe auf Maßnahmen wie:

  • Fruchtfolgen
  • mechanische Unkrautbekämpfung
  • Förderung natürlicher Nützlinge
  • regelmäßige Kontrolle der Felder
  • biologische Pflanzenschutzmethoden

Falls erforderlich, dürfen ausschließlich die im jeweiligen Bio-Standard zugelassenen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

4. Bewässerung

Bio-Baumwolle kann sowohl im Regenfeldbau als auch auf bewässerten Flächen angebaut werden.

Der Bio-Status allein sagt daher nichts darüber aus, wie viel Wasser tatsächlich benötigt wird. Der Wasserverbrauch hängt unter anderem ab von:

  • Klima
  • Niederschlag
  • Bodenbeschaffenheit
  • Bewässerungsmethode
  • Ernteerträgen
  • landwirtschaftlichem Management

Deshalb lässt sich nicht pauschal behaupten, dass Bio-Baumwolle grundsätzlich weniger Wasser verbraucht als konventionelle Baumwolle.

5. Ernte und Entkörnung

Nach der Ernte werden die Baumwollfasern von den Samen getrennt. Dieser Schritt wird als Entkörnung (Ginning) bezeichnet.

Ab diesem Zeitpunkt ist eine lückenlose Dokumentation besonders wichtig, damit die Bio-Baumwolle entlang der gesamten Lieferkette eindeutig identifizierbar und rückverfolgbar bleibt.

6. Spinnen, Stoffherstellung und Veredelung

Die Baumwollfasern werden gereinigt, gekämmt oder kardiert und anschließend zu Garn versponnen.

Aus diesem Garn entstehen durch Weben oder Stricken die späteren Stoffe.

Im Anschluss folgen häufig weitere Verarbeitungsschritte wie:

  • Waschen
  • Bleichen
  • Färben
  • Bedrucken
  • Veredeln

Gerade diese Prozesse können einen erheblichen Einfluss auf den Einsatz von Wasser, Energie und Chemikalien haben.

Eine reine Bio-Zertifizierung des Baumwollanbaus umfasst diese Verarbeitungsschritte nicht automatisch.

7. Herstellung des fertigen Produkts

Zum Schluss werden die Stoffe zu Kleidungsstücken oder Heimtextilien verarbeitet.

Auch Bestandteile wie:

  • Nähgarn
  • Elastan
  • Reißverschlüsse
  • Knöpfe
  • Drucke
  • Beschichtungen

können Einfluss auf die Haltbarkeit, Recyclingfähigkeit und biologische Abbaubarkeit eines Produkts haben.

Deshalb sollte immer das gesamte Produkt betrachtet werden - nicht nur die Baumwollfaser.

Wusstest du schon?

Bio-Baumwolle unterscheidet sich chemisch nicht von konventioneller Baumwolle. Entscheidend ist nicht die Faser selbst, sondern die Art und Weise, wie sie angebaut, zertifiziert und verarbeitet wird.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bio-Baumwolle durchläuft denselben grundsätzlichen Produktionsprozess wie konventionelle Baumwolle.
  • Der größte Unterschied liegt im landwirtschaftlichen Anbau und den geltenden Bio-Standards.
  • Die spätere Verarbeitung ist entscheidend für die Gesamtbilanz eines Textilprodukts.
  • Zertifizierungen wie GOTS gehen über den Anbau hinaus und berücksichtigen zusätzlich die Verarbeitung.
  • Für eine fundierte Bewertung sollte immer die gesamte Lieferkette betrachtet werden.

Zertifizierungen - Was sie tatsächlich aussagen

Nicht jede Zertifizierung überprüft dieselben Aspekte eines Produkts.

Gerade bei Bio-Baumwolle werden Begriffe wie Bio-zertifiziert, GOTS, Organic Content Standard (OCS) oder zertifizierte Bio-Faser häufig miteinander verwechselt. Tatsächlich verfolgen diese Standards unterschiedliche Ziele und decken verschiedene Bereiche der Lieferkette ab.

Wer die Unterschiede kennt, kann Nachhaltigkeitsaussagen besser einordnen und fundiertere Kaufentscheidungen treffen.

GOTS - Mehr als nur Bio-Baumwolle

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) zählt zu den umfassendsten Zertifizierungen für Textilien aus Bio-Fasern.

Während viele Standards ausschließlich den landwirtschaftlichen Anbau oder den Faseranteil überprüfen, stellt GOTS zusätzlich Anforderungen an die gesamte textile Verarbeitung.

Dazu gehören unter anderem:

  • der Anteil zertifizierter Bio-Fasern
  • zugelassene Chemikalien in der Verarbeitung
  • Anforderungen an die Abwasserbehandlung
  • Umweltmanagement
  • soziale Kriterien für zertifizierte Verarbeitungsbetriebe

Nach der aktuellen Version des Standards gilt:

  • „Organic“: mindestens 95 % zertifizierte Bio-Fasern, ohne Zubehör
  • „Made with Organic Materials“: mindestens 70 % zertifizierte Bio-Fasern, ohne Zubehör

Wo liegen die Grenzen von GOTS?

Auch GOTS sollte nicht als Nachweis für perfekte Nachhaltigkeit verstanden werden.

Die Zertifizierung bedeutet beispielsweise nicht, dass ein Produkt:

  • keinerlei Umweltauswirkungen verursacht
  • vollständig biologisch abbaubar ist
  • ausschließlich aus Bio-Baumwolle besteht
  • automatisch besonders wassersparend hergestellt wurde
  • im selben Land produziert wurde, in dem die Baumwolle angebaut wurde

Ebenso ist die Aussage „aus GOTS-zertifiziertem Stoff hergestellt“ nicht automatisch gleichbedeutend mit einem vollständig GOTS-zertifizierten Endprodukt.

OCS - Organic Content Standard

Der Organic Content Standard (OCS) wurde von Textile Exchange entwickelt und verfolgt einen anderen Schwerpunkt.

Er überprüft vor allem:

  • ob die verwendeten Fasern tatsächlich aus zertifiziertem Bio-Anbau stammen
  • wie hoch ihr Anteil im Produkt ist
  • ob die Bio-Faser entlang der Lieferkette nachvollziehbar dokumentiert wurde

Der OCS schafft damit Transparenz über Herkunft und Rückverfolgbarkeit der Bio-Fasern.

Wo liegen die Grenzen des OCS?

Der Organic Content Standard bewertet nicht die gesamte Nachhaltigkeit eines Produkts.

Er enthält beispielsweise keine umfassenden Anforderungen an:

  • Chemikalien in der Textilverarbeitung
  • die Umweltleistung der Produktion
  • die Abwasserbehandlung
  • die Arbeitsbedingungen
  • die Qualität des fertigen Produkts

Der Schwerpunkt liegt auf der Überprüfung des Bio-Faseranteils und der Rückverfolgbarkeit innerhalb der Lieferkette.

Bio-Zertifizierung, OCS und GOTS - Was ist der Unterschied?

Diese Begriffe werden häufig gleichgesetzt, beschreiben jedoch unterschiedliche Ebenen der Produktion.

Bio-zertifizierter landwirtschaftlicher Betrieb
Der Baumwollanbau erfüllt die Anforderungen eines anerkannten Bio-Standards.
Bio-zertifizierte Baumwollfaser
Die verwendete Baumwolle stammt aus einem zertifizierten Bio-Anbausystem.
Chain of Custody (Rückverfolgbarkeit)
Die Bio-Faser wird während der gesamten Lieferkette dokumentiert und nachvollziehbar weitergegeben.
Zertifiziertes Endprodukt
Das fertige Produkt erfüllt die Anforderungen eines Textilstandards wie GOTS oder OCS und darf entsprechend gekennzeichnet werden.

Deshalb lohnt es sich, immer genau auf die Angaben auf dem fertigen Produkt zu achten und nicht allein aus Aussagen über den Rohstoff auf die gesamte Nachhaltigkeit zu schließen.

Vergleich der wichtigsten Zertifizierungen

Frage Bio-Anbau OCS GOTS
Was wird überprüft? Landwirtschaftlicher Bio-Anbau Bio-Faseranteil und Rückverfolgbarkeit Bio-Faseranteil, Rückverfolgbarkeit und Textilverarbeitung
Gilt für das Endprodukt? Nicht automatisch Ja, sofern die OCS-Anforderungen erfüllt sind Ja, sofern alle GOTS-Anforderungen erfüllt sind
Chemikalien in der Verarbeitung Nein Nicht umfassend abgedeckt Ja, innerhalb des zertifizierten GOTS-Umfangs
Abwasserbehandlung Nein Nicht umfassend abgedeckt Ja, innerhalb des zertifizierten GOTS-Umfangs
Soziale Kriterien Nicht durch den Bio-Anbau allein Nicht umfassend abgedeckt Für zertifizierte Verarbeitungsbetriebe enthalten
Umfassende Nachhaltigkeitsbewertung Nein Nein Nein

Keine dieser Zertifizierungen beweist allein, dass ein Produkt in jeder Hinsicht nachhaltig ist. Sie liefern jedoch wertvolle und überprüfbare Informationen über unterschiedliche Bereiche der Lieferkette.

Wie nachhaltig ist Bio-Baumwolle?

Ob Bio-Baumwolle nachhaltiger ist als konventionelle Baumwolle, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten.

Für eine fundierte Bewertung müssen verschiedene Umwelt- und Sozialaspekte getrennt betrachtet werden. Entscheidend ist immer, was genau verglichen wird und unter welchen Bedingungen die Baumwolle angebaut, verarbeitet und genutzt wird.

Landwirtschaftliche Betriebsmittel und Umweltbelastung

Anerkannte Bio-Standards verbieten gentechnisch verändertes Saatgut und schränken viele synthetische Düngemittel sowie Pestizide ein.

Dadurch kann die Abhängigkeit von bestimmten problematischen Betriebsmitteln reduziert und das Risiko für Böden, Gewässer sowie die Gesundheit von Landwirten und Landarbeiterinnen verringert werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass alle im Bio-Anbau zugelassenen Stoffe automatisch unbedenklich sind oder jeder Bio-Betrieb dieselben Umweltwirkungen erzielt. Auch hier spielen Faktoren wie Dosierung, Anwendungsweise, Klima und landwirtschaftliches Management eine wichtige Rolle.

Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität

Maßnahmen wie Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, organische Düngung und ein geringerer Einsatz vieler synthetischer Betriebsmittel können die Bodenqualität verbessern und die Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen fördern.

Wie groß diese positiven Effekte tatsächlich ausfallen, hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab - unter anderem vom Standort, den Bodenverhältnissen, dem Klima und der praktischen Umsetzung auf dem jeweiligen Betrieb.

Eine Bio-Zertifizierung beschreibt deshalb in erster Linie ein Anbausystem und garantiert kein bestimmtes Biodiversitätsniveau.

Wasserverbrauch

Eine der häufigsten Aussagen über Bio-Baumwolle lautet, sie benötige grundsätzlich weniger Wasser.

So pauschal lässt sich das jedoch nicht sagen.

Bio-Baumwolle kann sowohl im Regenfeldbau als auch auf bewässerten Flächen angebaut werden. Gleichzeitig wird auch konventionelle Baumwolle unter sehr unterschiedlichen Bedingungen produziert.

Wie viel Wasser tatsächlich benötigt wird, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Klima
  • Niederschlagsmenge
  • Bodenbeschaffenheit
  • Bewässerungssystem
  • Ernteerträgen
  • regionaler Wasserverfügbarkeit

Deshalb ist der Wasserverbrauch immer standortabhängig und kann nicht allein anhand der Bio-Zertifizierung beurteilt werden.

Klimawirkung

Auch die Klimabilanz von Bio-Baumwolle lässt sich nicht auf eine einzelne Kennzahl reduzieren.

Der Verzicht auf viele synthetische Stickstoffdünger kann zwar bestimmte Emissionsquellen verringern. Gleichzeitig beeinflussen jedoch zahlreiche weitere Faktoren den gesamten CO₂-Fußabdruck eines Produkts.

Dazu gehören unter anderem:

  • Ernteerträge
  • Energieverbrauch
  • Bewässerung
  • Weiterverarbeitung
  • Transport
  • Lebensdauer des Produkts

Der Begriff „Bio“ allein ist daher kein Nachweis für grundsätzlich geringere Treibhausgasemissionen.

Textilverarbeitung

Die Umweltwirkungen eines Baumwollprodukts enden nicht mit der Ernte.

Auch Prozesse wie Färben, Bleichen, Bedrucken und Veredeln können erhebliche Mengen an Wasser, Energie und Chemikalien erfordern.

Eine Bio-Zertifizierung des landwirtschaftlichen Anbaus oder der Organic Content Standard (OCS) treffen darüber keine umfassenden Aussagen.

Wer zusätzlich Wert auf Anforderungen an die Verarbeitung legt, sollte auf Standards wie GOTS achten.

Langlebigkeit

Ob ein Kleidungsstück langlebig ist, hängt nicht davon ab, ob die Baumwolle biologisch angebaut wurde.

Entscheidend sind vielmehr:

  • Faserqualität
  • Garnherstellung
  • Stoffgewicht
  • Verarbeitung
  • Nähte
  • Pflege
  • Nutzungsdauer

Ein hochwertiges Kleidungsstück, das viele Jahre getragen, gepflegt und gegebenenfalls repariert wird, nutzt die eingesetzten Ressourcen häufig deutlich effizienter als mehrere kurzlebige Produkte.

NWG Perspektive

Bei NEW WORLD GUARDIANS verzichten wir bewusst auf einzelne Kennzahlen oder vereinfachte Aussagen, um ein Material pauschal als „besser“ oder „schlechter“ einzuordnen. Wichtiger ist die Frage, was tatsächlich überprüft wurde, wie die Baumwolle angebaut und verarbeitet wurde und ob das fertige Produkt langlebig und hochwertig hergestellt ist. Nachhaltigkeit entsteht durch das Zusammenspiel vieler Faktoren - nicht durch einen einzelnen Begriff auf dem Etikett.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bio-Baumwolle kann gegenüber konventioneller Baumwolle ökologische Vorteile bieten.
  • Aussagen zu Wasserverbrauch oder CO₂-Ausstoß lassen sich nicht pauschal treffen.
  • Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität hängen vom jeweiligen Anbausystem und Standort ab.
  • Auch Verarbeitung, Transport und Lebensdauer beeinflussen die Gesamtbilanz eines Produkts.
  • Für eine fundierte Bewertung sollte immer die gesamte Lieferkette betrachtet werden.

Vorteile von Bio-Baumwolle

Bio-Baumwolle bietet gegenüber konventioneller Baumwolle einige wichtige Vorteile - insbesondere im landwirtschaftlichen Anbau. Gleichzeitig sollte sie nicht als perfekte Lösung verstanden werden. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel von Material, Verarbeitung und Produktqualität.

Zertifizierte Standards im Anbau

Anerkannte Bio-Standards verbieten gentechnisch verändertes Saatgut und schränken viele synthetische Pestizide sowie Düngemittel ein.

Durch unabhängige Zertifizierungen lassen sich diese Anforderungen nachvollziehen und überprüfen, wodurch Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Transparenz erhalten.

Förderung nachhaltiger Anbaumethoden

Der ökologische Baumwollanbau setzt auf langfristige Maßnahmen wie Fruchtfolgen, Bodenpflege und vorbeugenden Pflanzenschutz.

Diese Methoden können dazu beitragen, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und natürliche Kreisläufe in der Landwirtschaft zu unterstützen.

Mehr Transparenz durch Zertifizierungen

Standards wie GOTS oder der Organic Content Standard (OCS) schaffen nachvollziehbare Lieferketten und erleichtern es, den Ursprung der verwendeten Bio-Baumwolle zu überprüfen.

Gerade bei nachhaltigen Materialien sind transparente Informationen oft genauso wichtig wie der Rohstoff selbst.

Angenehm zu tragen

Bio-Baumwolle besitzt dieselben Eigenschaften, die Baumwolle seit Jahrhunderten zu einer der beliebtesten Naturfasern machen.

Sie ist:

  • weich
  • atmungsaktiv
  • hautfreundlich
  • vielseitig einsetzbar
  • angenehm zu tragen

Ob sich ein Stoff besonders hochwertig anfühlt, hängt jedoch vor allem von der Faserqualität und der Verarbeitung ab - nicht davon, ob die Baumwolle biologisch angebaut wurde.

Nachteile und Grenzen von Bio-Baumwolle

Auch Bio-Baumwolle hat Grenzen.

Ein Bio-Zertifikat allein sagt noch nichts über die gesamte Nachhaltigkeit eines Produkts aus.

Kein automatischer Wasservorteil

Bio-Baumwolle benötigt nicht grundsätzlich weniger Wasser.

Der tatsächliche Wasserverbrauch hängt von Klima, Niederschlag, Bewässerung, Bodenbeschaffenheit und den jeweiligen Anbaumethoden ab.

Erträge können unterschiedlich ausfallen

Je nach Region und Anbaubedingungen können die Erträge im Bio-Anbau niedriger, vergleichbar oder teilweise ähnlich hoch sein wie im konventionellen Anbau.

Deshalb sollten einzelne Studien oder Durchschnittswerte immer im jeweiligen regionalen Kontext betrachtet werden.

Die Verarbeitung ist nicht automatisch nachhaltig

Eine Bio-Zertifizierung des Baumwollanbaus sagt nur wenig über spätere Verarbeitungsschritte aus.

Färben, Bleichen, Veredeln oder die Herstellung des fertigen Kleidungsstücks können weiterhin erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Ressourcen haben.

Hier bieten Standards wie GOTS deutlich umfassendere Anforderungen.

Mischfasern erschweren Recycling und biologische Abbaubarkeit

Viele Kleidungsstücke bestehen nicht ausschließlich aus Baumwolle.

Elastan, Polyester, Beschichtungen oder andere Bestandteile können zwar bestimmte Produkteigenschaften verbessern, gleichzeitig aber das Recycling und die biologische Abbaubarkeit erschweren.

Deshalb lohnt sich immer ein Blick auf die vollständige Materialzusammensetzung.

Zertifizierungen sind keine Garantie für Perfektion

Zertifizierungen schaffen Vertrauen und Transparenz.

Sie ersetzen jedoch weder eine sorgfältige Produktbewertung noch Informationen über Qualität, Verarbeitung oder die tatsächliche Lebensdauer eines Kleidungsstücks.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Zertifizierter ökologischer Anbau Kein automatischer Wasservorteil
Verzicht auf viele synthetische Pestizide und Düngemittel Verarbeitung nicht automatisch nachhaltig
Förderung von Bodenfruchtbarkeit und Fruchtfolgen Erträge variieren je nach Region
Transparenz durch GOTS und OCS Mischfasern erschweren Recycling
Weich, atmungsaktiv und angenehm zu tragen Zertifizierungen ersetzen keine ganzheitliche Produktbewertung

Bio-Baumwolle vs. konventionelle Baumwolle

Bio-Baumwolle und konventionelle Baumwolle bestehen aus derselben Naturfaser. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Material selbst, sondern darin, wie die Baumwolle angebaut, verarbeitet und zertifiziert wird.

Während der ökologische Baumwollanbau auf anerkannte Bio-Standards setzt und viele synthetische Betriebsmittel ausschließt, kann der konventionelle Anbau - je nach Region und Betrieb - eine deutlich größere Bandbreite an Anbaumethoden nutzen.

Welche Variante nachhaltiger ist, lässt sich jedoch nicht allein anhand des Begriffs „Bio“ beurteilen. Auch Faktoren wie Verarbeitung, Qualität, Langlebigkeit und Transparenz spielen eine entscheidende Rolle.

Bio-Baumwolle und konventionelle Baumwolle im Vergleich

Merkmal Bio-Baumwolle Konventionelle Baumwolle
Faser Natürliche Baumwollfaser Natürliche Baumwollfaser
Gentechnisch verändertes Saatgut Nach Bio-Standards verboten Je nach Region möglich
Pestizide und Düngemittel Viele synthetische Stoffe verboten oder stark eingeschränkt Einsatz je nach Anbaumethode möglich
Anbaumethoden Fruchtfolgen, Bodenpflege und vorbeugender Pflanzenschutz stehen im Mittelpunkt Unterschiedliche Anbausysteme und Bewirtschaftungsmethoden
Wasserverbrauch Abhängig von Klima, Bewässerung und Standort Ebenfalls standort- und klimabhängig
Erträge Je nach Region unterschiedlich Je nach Region unterschiedlich
Zertifizierungen Anerkannte Bio-Standards sowie GOTS oder OCS möglich Keine Bio-Zertifizierung; andere freiwillige Standards möglich
Verarbeitung Nicht automatisch durch den Bio-Anbau geregelt Ebenfalls abhängig vom jeweiligen Hersteller

Die wichtigsten Unterschiede

Landwirtschaftlicher Anbau

Der größte Unterschied zwischen Bio- und konventioneller Baumwolle liegt im Anbausystem.

Bio-Standards schreiben unter anderem den Verzicht auf gentechnisch verändertes Saatgut sowie den eingeschränkten Einsatz vieler synthetischer Pestizide und Düngemittel vor. Gleichzeitig fördern sie Maßnahmen wie Fruchtfolgen und den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit.

Konventionelle Baumwolle kann - abhängig von Land, Betrieb und gesetzlichen Vorgaben - unter sehr unterschiedlichen Bedingungen angebaut werden.

Umweltwirkungen

Weder Bio-Baumwolle noch konventionelle Baumwolle lassen sich pauschal als umweltfreundlicher oder umweltschädlicher bewerten.

Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen, Biodiversität und Bodenqualität hängen immer von den jeweiligen Anbaubedingungen sowie der späteren Verarbeitung ab.

Deshalb sollte jede Nachhaltigkeitsaussage den konkreten Kontext berücksichtigen.

Verarbeitung und Qualität

Die Qualität eines Kleidungsstücks wird nicht allein durch den Baumwollanbau bestimmt.

Faserlänge, Garnqualität, Stoffgewicht, Verarbeitung und Pflege haben meist einen deutlich größeren Einfluss auf Komfort, Haltbarkeit und Lebensdauer als die Frage, ob die Baumwolle biologisch angebaut wurde.

Kaufentscheidung

Wenn du Bio-Baumwolle kaufen möchtest, lohnt sich ein Blick über das Etikett hinaus.

Achte nicht nur auf den Begriff „Bio“, sondern auch auf:

  • anerkannte Zertifizierungen wie GOTS oder OCS
  • transparente Informationen zur Lieferkette
  • hochwertige Verarbeitung
  • langlebige Qualität
  • eine Materialzusammensetzung, die zu deinem Einsatzzweck passt

Worauf solltest du beim Kauf von Bio-Baumwolle achten?

Bio-Baumwolle gehört zu den bekanntesten nachhaltigen Materialien - doch nicht jedes Produkt mit dem Begriff „Bio“ erfüllt automatisch dieselben Standards.

Wer bewusst einkaufen möchte, sollte deshalb nicht nur auf das Material achten, sondern auch auf Zertifizierungen, Verarbeitung, Transparenz und die Qualität des fertigen Produkts.

1. Achte auf anerkannte Zertifizierungen

Der Begriff „Bio-Baumwolle“ allein ist kein geschütztes Qualitätsversprechen.

Anerkannte Standards wie GOTS (Global Organic Textile Standard) oder der Organic Content Standard (OCS) schaffen deutlich mehr Transparenz darüber, was tatsächlich überprüft wurde.

Während OCS vor allem den Anteil und die Rückverfolgbarkeit der Bio-Fasern bestätigt, stellt GOTS zusätzlich Anforderungen an die Textilverarbeitung sowie an ökologische und soziale Kriterien.

2. Prüfe die Materialzusammensetzung

Nicht jedes Kleidungsstück besteht vollständig aus Bio-Baumwolle.

Viele Produkte enthalten zusätzliche Materialien wie Elastan, Polyester oder andere Fasern, um Elastizität, Strapazierfähigkeit oder Formstabilität zu verbessern.

Ein Blick auf das Pflegeetikett zeigt dir, aus welchen Materialien ein Produkt tatsächlich besteht.

3. Qualität ist wichtiger als der Begriff „Bio“

Ein hochwertig verarbeitetes Kleidungsstück aus Bio-Baumwolle hält oft deutlich länger als ein minderwertig verarbeitetes Produkt - unabhängig von der Zertifizierung.

Achte deshalb auf:

  • hochwertige Stoffqualität
  • saubere Nähte
  • langlebige Verarbeitung
  • zeitloses Design
  • gute Reparierbarkeit

Langlebigkeit gehört zu den wichtigsten Faktoren für einen nachhaltigeren Konsum.

4. Informiere dich über die Lieferkette

Vertrauenswürdige Marken geben offen Auskunft darüber:

  • woher ihre Baumwolle stammt
  • wo sie verarbeitet wurde
  • welche Zertifizierungen vorliegen
  • welche Standards entlang der Lieferkette angewendet werden

Je transparenter diese Informationen sind, desto besser kannst du die Nachhaltigkeit eines Produkts einschätzen.

5. Hinterfrage pauschale Umweltversprechen

Aussagen wie:

  • „90 % weniger Wasser“
  • „100 % nachhaltig“
  • „chemiefrei“
  • „klimaneutral“

sollten immer kritisch betrachtet werden, wenn sie nicht durch nachvollziehbare Quellen oder anerkannte Zertifizierungen belegt werden.

Verantwortungsvolle Marken erklären ihre Aussagen transparent und nachvollziehbar, anstatt mit vereinfachten Werbeversprechen zu arbeiten.

Checkliste für den Kauf von Bio-Baumwolle

  • Achte auf Zertifizierungen wie GOTS oder OCS.
  • Prüfe die Materialzusammensetzung.
  • Bevorzuge eine hochwertige und langlebige Verarbeitung.
  • Informiere dich über die Lieferkette.
  • Hinterfrage allgemeine Nachhaltigkeitsversprechen.
  • Kaufe Kleidung, die du langfristig tragen möchtest.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Anerkannte Zertifizierungen schaffen mehr Transparenz als der Begriff „Bio“ allein.
  • Die Materialzusammensetzung spielt eine wichtige Rolle für Haltbarkeit und Recyclingfähigkeit.
  • Qualität und Langlebigkeit sind zentrale Kriterien nachhaltiger Mode.
  • Transparente Lieferketten erleichtern fundierte Kaufentscheidungen.
  • Hinterfrage pauschale Umweltversprechen und achte auf nachvollziehbare Nachweise.

So pflegst du Bio-Baumwolle richtig

Die richtige Pflege trägt wesentlich dazu bei, dass Kleidung aus Bio-Baumwolle lange schön bleibt und ihre Qualität behält. Obwohl Bio-Baumwolle keine besondere Behandlung benötigt, können passende Wasch- und Pflegegewohnheiten die Lebensdauer eines Kleidungsstücks deutlich verlängern.

Grundsätzlich gilt: Orientiere dich immer zuerst an den Pflegehinweisen des Herstellers. Je nach Stoffgewicht, Verarbeitung, Färbung oder Materialmischung können unterschiedliche Pflegeempfehlungen gelten.

Für viele Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle gelten folgende Empfehlungen:

  • Wasche Kleidung nur, wenn es wirklich notwendig ist.
  • Behandle Flecken möglichst direkt, bevor du das gesamte Kleidungsstück wäschst.
  • Nutze die niedrigste vom Pflegeetikett empfohlene Waschtemperatur.
  • Wasche ähnliche Farben gemeinsam.
  • Verwende nur so viel Waschmittel wie nötig.
  • Lasse Kleidung möglichst an der Luft trocknen.
  • Vermeide hohe Trocknertemperaturen, wenn Einlaufen möglich ist.
  • Repariere kleine Löcher oder lose Nähte möglichst früh.

Eine gute Pflege macht die Herstellung eines Produkts zwar nicht nachhaltiger, kann aber seine Lebensdauer deutlich verlängern - und genau das ist einer der wichtigsten Faktoren für einen bewussteren Konsum.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Beachte immer die Pflegehinweise des Herstellers.
  • Wasche Kleidung möglichst selten und nur bei Bedarf.
  • Niedrige Waschtemperaturen schonen Material und Energie.
  • Lufttrocknen verlängert häufig die Lebensdauer.
  • Gute Pflege reduziert den Bedarf an Neuanschaffungen.

Fazit

Bio-Baumwolle ist am besten als zertifiziertes Anbausystem zu verstehen - nicht als pauschales Nachhaltigkeitssiegel.

Ihre größten Stärken liegen im ökologischen Landbau, dem Verzicht auf gentechnisch verändertes Saatgut, den Einschränkungen vieler synthetischer Betriebsmittel sowie der Möglichkeit, Herkunft und Lieferkette durch anerkannte Zertifizierungen nachvollziehbar zu machen.

Gleichzeitig beantwortet der Begriff „Bio“ nicht automatisch alle Fragen zu Wasserverbrauch, Klimawirkung, Arbeitsbedingungen, Textilverarbeitung oder Langlebigkeit. Erst das Zusammenspiel aus Material, Verarbeitung, Qualität und transparenter Lieferkette ermöglicht eine fundierte Bewertung eines Produkts.

Wenn du nachhaltigere Kleidung kaufen möchtest, lohnt es sich deshalb, über das Etikett hinauszuschauen: Achte auf anerkannte Zertifizierungen, hochwertige Verarbeitung, eine transparente Lieferkette und Produkte, die dich möglichst viele Jahre begleiten.

NWG Perspektive

Bei NEW WORLD GUARDIANS glauben wir, dass bessere Kaufentscheidungen mit besseren Informationen beginnen. Bio-Baumwolle ist kein perfektes Material - aber sie kann eine ausgezeichnete Wahl sein, wenn Herkunft, Verarbeitung und Qualität transparent nachvollziehbar sind. Wirklich nachhaltige Mode entsteht dort, wo verantwortungsvoller Anbau, hochwertige Verarbeitung und eine lange Nutzungsdauer zusammenkommen.

Über NEW WORLD GUARDIANS

NEW WORLD GUARDIANS ist eine kuratierte Plattform für vegane und nachhaltige Mode. Unser Ziel ist es, fundierte Informationen über Materialien, Zertifizierungen und verantwortungsbewusste Marken bereitzustellen, damit du informierte Kaufentscheidungen treffen kannst.

Unsere Inhalte basieren auf sorgfältiger Recherche, wissenschaftlichen Quellen und nachvollziehbaren Standards. Statt vereinfachte Nachhaltigkeitsversprechen zu wiederholen, möchten wir Orientierung schaffen und komplexe Themen verständlich erklären.

Entdecke unsere wachsende Materialbibliothek, lerne innovative Materialien kennen und finde sorgfältig ausgewählte Marken, die nachhaltige Mode aktiv mitgestalten.

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Leitfaden basiert auf wissenschaftlicher Literatur, offiziellen Zertifizierungsstandards sowie Informationen führender Organisationen aus den Bereichen Bio-Landwirtschaft und nachhaltige Textilien.


Letzte Aktualisierung:
6. August 2026


Häufig gestellte Fragen zu Bio-Baumwolle

Was ist Bio-Baumwolle?

Bio-Baumwolle ist Baumwolle, die nach anerkannten ökologischen Anbaustandards angebaut und zertifiziert wird. Diese Standards verbieten gentechnisch verändertes Saatgut, schränken viele synthetische Betriebsmittel ein und fördern Anbaumethoden, die die Bodenfruchtbarkeit, die Biodiversität und eine langfristig nachhaltige Landwirtschaft unterstützen.

Ist Bio-Baumwolle besser als herkömmliche Baumwolle?

Bio-Baumwolle kann gegenüber konventioneller Baumwolle wichtige Umweltvorteile bieten, insbesondere weil auf viele synthetische Pestizide und Düngemittel verzichtet wird. Dennoch ist kein Anbausystem vollkommen frei von Umweltauswirkungen. Wie nachhaltig ein Produkt tatsächlich ist, hängt unter anderem von Anbau, Bewässerung, Verarbeitung, Herstellung und Lebensdauer ab.

Ist Bio-Baumwolle nachhaltig?

Bio-Baumwolle kann eine nachhaltigere Wahl sein als konventionelle Baumwolle, ist jedoch nicht automatisch nachhaltig. Die tatsächlichen ökologischen und sozialen Auswirkungen eines Produkts werden durch die gesamte Lieferkette bestimmt – vom Baumwollanbau über die Textilverarbeitung bis hin zur Nutzungsdauer des fertigen Kleidungsstücks.

Benötigt Bio-Baumwolle weniger Wasser?

Nicht unbedingt.

Der Wasserverbrauch hängt von vielen Faktoren ab, darunter Klima, Niederschlag, Bewässerung, Bodenbeschaffenheit, Anbaumethoden und Ernteerträge. Obwohl einige Bio-Anbausysteme stärker auf Regenwasser setzen, verbraucht Bio-Baumwolle nicht automatisch weniger Wasser als konventionelle Baumwolle.

Ist Bio-Baumwolle pestizidfrei?

Nein.

Im ökologischen Landbau sind die meisten synthetischen Pestizide verboten. Je nach geltendem Standard dürfen jedoch bestimmte biologische, pflanzliche oder andere zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Was ist der Unterschied zwischen GOTS und dem Organic Content Standard (OCS)?

Der Organic Content Standard (OCS) bestätigt den Anteil und die Rückverfolgbarkeit von biologisch angebauter Baumwolle entlang der Lieferkette.

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) geht deutlich weiter. Er stellt zusätzlich Anforderungen an den Anteil zertifizierter Bio-Fasern, die Textilverarbeitung, den Einsatz von Chemikalien, die Abwasserbehandlung sowie soziale Kriterien.

Ist Bio-Baumwolle weicher als herkömmliche Baumwolle?

Nicht unbedingt.

Bio-Baumwolle und konventionelle Baumwolle stammen von derselben Pflanzenart. Wie weich sich ein Stoff anfühlt, hängt vor allem von der Faserqualität, der Garnherstellung, der Web- oder Stricktechnik sowie den Veredelungsverfahren ab – nicht davon, ob die Baumwolle biologisch angebaut wurde.

Läuft Bio-Baumwolle beim Waschen ein?

Bio-Baumwolle kann einlaufen, wenn sie nicht vorgeschrumpft wurde oder bei zu hohen Temperaturen gewaschen oder getrocknet wird. Wenn du die Pflegehinweise des Herstellers beachtest, bleiben Passform, Form und Qualität des Kleidungsstücks in der Regel langfristig erhalten.

Warum ist Bio-Baumwolle teurer?

Bio-Baumwolle ist häufig teurer, weil der ökologische Anbau meist geringere Erträge liefert und strengere Anforderungen an Zertifizierung, Rückverfolgbarkeit und Produktion erfüllt werden müssen. Diese Faktoren können die Kosten entlang der gesamten Lieferkette erhöhen.

Wie erkennst du echte Bio-Baumwolle?

Achte auf anerkannte Zertifizierungen wie GOTS oder den Organic Content Standard (OCS). Zertifizierte Produkte weisen diese Standards transparent aus und verfügen in der Regel über eine Zertifizierungs- oder Lizenznummer, die sich nachvollziehen lässt.